Dass die großen Erfolge der hessischen Bobathleten kaum noch zu übersehen sind hat sich nun wieder bei der Verleihung der Hessischen Sportplakette gezeigt. Erneut wurden die Erfolge der Frauen und Männer aus dem Wiesbadener Trainingszentrum mit Auszeichnungen gewürdigt.
An erster Stelle sei hier Trainer Tim Restle genannt der für seine engagierte und erfolgreiche Arbeit die Plakette erhielt und damit sein erfolgreiches Wirken erneut gewürdigt wurde, nachdem er 2021 schon zum hessischen Trainer des Jahres ernannt worden war. Aus kleinsten Anfängen hat er einen Kader aufgebaut, der schon zahlreiche nationale und internationale Siege und Spitzenplätze errungen hat.
Als besondere Anerkennung ist auch die Tatsache einzustufen, dass er bei den olympischen Spielen in Peking die australischen Bobsportlerinnen betreut.
Ebenfalls zu Kreis der Geehrten gehört Vanessa Mark vom Rhein-Main-Stützpunkt, die als Anschieberin dem deutschen Nationalkader angehört. Nach Weltcupsiegen und Podestplätzen mit Mariama Jamanka und Kim Kalicki war für die 25-jährige die Bronze-Medaille mit Pilotin Charlotte Candrix bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2022 in St. Moritz ihr jüngster großartiger Erfolg. Mark ist nach Kim Kalicki, die im Vorjahr als hessische „Sportlerin des Jahres“ gewählt worden war, die zweite Bobsportlerinnen deren Leistungen mit einer der höchsten Ehrungen im Sportland Hessen gewürdigt wurde.
Mit diesen Auszeichnungen findet in der Öffentlichkeit und der Politik eine Entwicklung die gebührende Anerkennung. Innerhalb kürzester Zeit hat diese rasante Sportart in Hessen, das nun wahrlich keine Wintersportland ist, unter Trainer Tim Restle und der unermüdlichen Präsidentin Erica Fisch einen unglaublichen Aufschwung genommen, der national und international anerkannt und hoch respektiert wird.
Im Zusammenhang mit den jüngsten Ehrungen sei auch nochmals in Erinnerung gerufen, dass Fischbach selbst vor 2 Jahren selbst für ihre Meriten mit der Sportplakette geehrt wurde und dies, noch vor der Pandemie, in einem stilechten Rahmen geschah.


Foto Erica Fischbach


Einen starken Eindruck hinterließen die hessischen Bob-Oldies beim 41. Europapokal und den 3. Deutschen Meisterschaften der Senioren, die traditionell in einer Veranstaltung in der Bobbahn von Innsbruck/Igls ausgetragen wurden. Obwohl dieses Mal nur mit zwei Schlitten vertreten, waren beide Teams hochmotiviert an den Start gegangen und platzierten sich weit vorne. Nachdem die Veranstaltung im Vorjahr ausgefallen war, erfolgte der Neustart allerdings unter sehr ungünstigen Rahmenbedingungen. Dennoch nahmen 14 Schlitten aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Rumänien, Groß-Britannien, Australien und der Schweiz an dem Wettbewerb teil.


In hervorragender Form präsentierte sich Peter Hinz (Foto rechts), der mit Gregor Bermbach (BC Stuttgart Solitude) als Anschieber ins Rennen ging. Bei den Starts gerieten die beiden leicht ins Hintertreffen, aber in der Bahn bewies der Pilot vom BC Fürth, dass er nichts verlernt hat. Seine Zeiten unter 54 Sekunden reichten in beiden Läufen für den 3. Platz und dies war auch seine Platzierung in der Endabrechnung. Damit ließ er so renommierte Piloten wie Wolfgang Stampfer (Österreich) und seinen Dauerrivalen Andy Zeidler (Schweiz) hinter sich. Dem gesamten Feld weit enteilend duellierten sich an der Spitze die beiden langjährigen erfolgreichen Weltcupteilnehmer Manuel Machata (Deutschland) und Olympiasieger Beat Hefti (Schweiz). Mit einem Wimpernschlagvorsprung von 1/100 Sekunde siegte Machata mit seinem langjährigen Anschieber Andreas Bredau.


Sehr gut in Szene setzte sich auch Martin Fischer (BC Fürth) mit Tobias Bühner die ebenfalls mit guten Starts die Voraussetzung für zwei sehr solide Abfahrten legten und im Gesamtklassement den 10. Platz erkämpften. Damit waren die beiden mehr als zufrieden, da sie ihr Potenzial ausgereizt und die Hoffnungen erfüllt sahen.
Bei der deutschen Senioren-Meisterschaft hatte ebenfalls Machata die Nase vorn und siegte vor der Kombination Hinz/Bermbach, die somit Vize-Meister wurden. Fischer verpasste das Siegertreppchen und wurde Vierter.


Dieses hervorragende Ergebnis der „Masters“ schließt sich nahtlos an die großartige Saison der hessischen Damen und Männer an, die auf nationaler und internationaler Ebene Meisterschaftsehren und zahlreiche Podestplätze errungen haben. “ Für unsere Sportler, die ja weitab von Bob- und Rodelbahnen wohnen und trainieren war dieser Winter ein absoluter Höhepunkt“ resümierte HBSV – Präsidentin Erica Fischbach aus Wiesbaden. Neben diesen erfolgreichen Athleten gebe es ja darüber hinaus noch einige erfolgreiche Kadermitglieder im deutschen Verband, die ihre ersten Schritte im Bob- und Rodelsport in Hessen gemacht hatten und nun für andere Vereine erfolgreich unterwegs sind.


Foto: Bob Club Amras-Innsbruck


Da die deutschen Top-Athleten bei den olympischen Spielen in Peking an den Start gingen waren die Teilnehmerfelder bei den deutschen Meisterschaften in Altenberg recht überschaubar und vorwiegend dem Nachwuchs vorbehalten. Für die Sportlerinnen und Sportler des hessischen Verbands eine hervorragende Chance, ihr Können zu beweisen und nach Meisterehren zu greifen.
Besonders für das Bruderpaar Adam und Issam Ammour ging der Wunschtraum in Erfüllung, einmal gemeinsam im Bob ein Rennen zu bestreiten. Und als Kirsche auf dem Sahnehäubchen wurde ihr Start mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft gekrönt.
Schon beim Start schoben die beiden zwei Mal Bestzeit und bauten ihren Vorsprung in der Eisrinne kontinuierlich aus. Nach dem ersten Lauf lagen sie mit 6/100 Vorsprung vor den späteren Vize-Meistern Laurin Zern/Henrik Proske (WSV Königssee), setzten in der zweiten Abfahrt nochmals kräftig eins drauf und siegten am Ende überlegen mit 43/100 Sekunden Vorsprung.
HBSV Präsidentin Erica Fischbach freute sich sehr über diesen nicht unbedingt zu erwartenden Erfolg und meinte, dass Adam damit bewiesen habe, dass er mit dem Zweierbob nicht nur am Start hervorragendes leistet, sondern auch eine gute und sichere Fahrweise im Eiskanal umsetzt. Seine Geduld und Ausdauer im Erarbeiten der Bahnen habe sich damit zum Saisonende ausgezahlt und dies sei der richtige Ansporn für die nächste Saison. Hier ist allerdings nach wie vor ein behutsamer weiterer Aufbau gefragt.
Im Vierer ging Adam Ammour mit Till Greiner, Erik Leypold und Eric Engelhardt (alle BRC Thüringen) ins Rennen. Nach der ersten Runde noch auf Rang 5 steigerten sie sich im zweiten Lauf und schafften noch die Bronze-Platzierung. Da als „race in race“ Veranstaltung auch die deutsche Junioren-Meisterschaft ausgefahren wurde konnten sie sich nach diesem Wettbewerb auch noch mit einer Silber-Medaille schmücken.


Foto: Ammour

 

Zum Abschluss einer sehr erfolgreichen Saison darf sich Maureen Zimmer aus Frankfurt nun Deutsche Meisterin sowie deutsche Juniorenmeisterin nennen und fügte ihrer Titelsammlung weitere hinzu. Auch bei den Damen wurden beide Meisterschaften in einem Wettbewerb ausgetragen.  Mit ihrer Anschieberin Neele Schuten (TV Gladbeck) legte sie zweimal Startbestzeit vor und bewies in der anspruchsvollen Bahn von Altenberg erneut ihr fahrerisches Talent. Mit einer überragenden ersten Abfahrt legte sie so viel Vorsprung vor die Zweiten Anne Spreeuwers/Theresa Leitz (BRC Thüringen/WSV Königssee), dass im zweiten Durchgang nichts mehr anbrennen konnte und der Sieg souverän nach Hause gebracht wurde. Besser konnte die Saison für Maureen gar nicht laufen kommentierte Fischbach diesen Erfolg und gerade hier in Altenberg hat sich gezeigt, dass noch Luft nach oben vorhanden ist. 

 


Unverhofft kommt oft dachte wohl der hessische Landestrainer Tim Restle als er ziemlich überraschend die Chance bekam, als Betreuer an den olympischen Spielen in China teilzunehmen. Was im Team D auf Grund des Überangebotes von Trainern und Betreuern nicht machbar war ermöglichte der australische Verband. Dass es zu dieser Akkreditierung kam, liegt in der Person der australischen Bobsportlerin Breeana Walker, die seit 4 Jahren im Trainingszentrum Rhein-Main in Wiesbaden bei Restle trainiert. Weil für Australien Bobsport noch exotischer ist als für Hessen gibt es dort so gut wie keine professionelle Betreuung der Sportler. Da Walker seit längerer Zeit mit Christian Hammers liiert ist, der im Bob für TuS Eintracht Wiesbaden antritt, lag es nahe, dass Restle sie unter seine Fittische nahm.
Nachdem sein Engagement für down under mit dem deutschen Verband abgeklärt und abgesegnet war standen für den 37- jährigen aus Kelsterbach genau wie für Walker erstmals bei olympischen Spielen die Türen offen. Nach der Ankunft im olympischen Dorf quälte sich die Australierin mit muskulären Problemen, die erst nach intensiver Behandlung einen Start im Monobob möglich machten. Im Eiskanal von Yanqing zeigte dann Walker ihr Können und lieferte im Rahmen der Erwartungen ab. Mit zwei guten Starts und fast identischen Laufzeiten belegte sie nach dem ersten Tag den 7. Platz unter 20 Teilnehmerinnen. Am zweiten Tag präsentierte sich „Bree“ in blendender Verfassung, fuhr in beiden Durchgängen jeweils die zweitbeste Zeit und fing noch zwei vor ihr liegende Konkurrentinnen ab. Restle und Walker sind mit diesem Ergebnis hoch zufrieden, denn ein Platz unter den besten sechs der Welt war angepeilt und entspricht auch dem Leistungsstand der 29-jährigen. Um noch weiter vorne zu landen, was nicht ganz unmöglich war, hätte sie allerdings zwei absolute Sahnetage erwischen müssen.
Restle nutzte die dann verbleibende Zeit um für Christoph Hafer, der ebenfalls bei ihm in Wiesbaden trainiert, die Daumen zu drücken. Offensichtlich mit Erfolg, den mit Anschieber Matthias Sommer fuhren die beiden, für fast alle doch etwas überraschend, zur Bronze-Medaille und komplettierten den Dreifach-Sieg der deutschen Sportler.

Foto: Tim Restle

 

 


Durchaus mit Chancen und Hoffnungen auf eine Medaille im Zweierbob war die Wiesbadenerin Kim Kalicki nach Peking geflogen, da sie eine überaus erfolgreiche Weltcupsaison absolviert hatte. Im Yanqing National Sliding Center war es dann allerdings vor allem am ersten Tag gar nicht nach ihren Vorstellungen gelaufen. Mit Lisa Buckwitz als Anschieberin lief es, anders als von den beiden zu erwarten war, schon am Start (Foto) nicht so gut und auch im Eiskanal fuhr der Schlitten nicht so flott wie bei den Konkurrentinnen. Vor allem der zweite Durchgang ging ziemlich in die Hose und so lag für das Duo mit einem Rückstand von 1,34 Sekunden auf die Führende Laura Nolte und 60/100 auf die Drittplatzierte Amerikanerin Elana Meyers – Taylor eine Medaille schon in weiter Ferne.
Deutlich besser lief es für die beiden am zweiten Tag, sie fingen noch zwei Gegnerinnen ab und platzierten sich im Endresultat auf Rang 4. Über dieses Ergebnis waren die zwei dennoch sichtlich enttäuscht. Im Training sei es eigentlich sehr gut gelaufen, meinte Kalicki niedergeschlagen, aber ich konnte meine Trainingsleistungen nicht ins Rennen umsetzen. Die erhoffte Medaille ist futsch und da ist es ziemlich egal, ob ich Vierte, Sechste oder Zehnte werde. Neidlos erkannte sie die ersten Plätze der Medaillengewinnerinnen an, die an den beiden Tagen schlicht und einfach deutlich besser gewesen wären.
Nolte kürte sich als jüngste Pilotin, die eine Gold-Medaille bei olympischen Spielen gewonnen hat und verdrückte mit Anschieberin Deborah Levi im Ziel ein paar Freudentränen. Silber ging an Mariama Jamanka und Bob-Neuling Alexandra Burghardt, die nun wieder auf die Tartanbahn zurückkehrt. Bronze eroberte Meyers-Taylor, die mit zwei Medaillen aus Peking nach Hause fahren kann, mit ihrer Anschieberin Sylvia Hoffman.
Es hat halt nicht sollen sein, kommentierte Erica Fischbach die unglückliche Platzierung der hessischen Athletin etwas zurückhaltend, aber Laura Nolte ist wie von einem anderen Stern gefahren und Jamanka sowie Meyers-Taylor profitierten von ihrer großen Erfahrung, wobei mich immer wieder erstaunt, welche Wunder-Startzeiten die 37-jährige Amerikanerin raushaut.
Gut geschlagen hat sich Breeana Walker aus Australien, der Schützling von Landestrainer Tim Restle. Nach einem erwartungsgemäß verlaufenen ersten Tag lag sie mit Klara Reddingius auf dem 12. Rang unter zwanzig Starterinnen, vermasselte jedoch am zweiten Tag mit einem indiskutablen 4. Lauf dieses gute Abschneiden und fiel auf Rang 16 zurück.
Beim deutschen Doppelsieg des erneut unschlagbaren Teams Friedrich vor Lochners Mannschaft verpasste Christoph Hafer nach seiner überraschenden Bronze-Medaille im Zweier ganz knapp einen weiteren Coup. Obwohl der Bad Fellnbacher sich mit Michael Salzer, Matthias Sommer und Tobias Schneider von Lauf zu Lauf steigerte und den letzten Durchgang sogar als Zweiter beendete, blieb ihm am Ende mit nur 6/100 Rückstand auf den Bronze-Medaillengewinner Kripps (Kanada) der undankbare 4. Platz. Womit allerdings sowohl seine Mannschaft als auch Bundestrainer René Spies nach einem kurzen Moment der Enttäuschung sehr zufrieden waren.

Foto: credit IBSF/Viesturs Lacis

 

Eigentlich war ein Start von Maureen Zimmer (Tus Eintracht Wiesbaden) bei der Junioren-Weltmeisterschaft nur im Zweierbob vorgesehen, aber dann trat sie kurz entschlossen auch im Monobob an um das Teilnehmerfeld aufzufüllen. Eine gewagte Entscheidung des deutschen Verbandes, hatte sie doch erst 2 Abfahrten mit diesem Sportgerät absolviert. Im Rennen zeigte Zimmer (Foto) dann allerdings allen Konkurrentinnen was eine Harke ist und bot an den Steuerseilen eine überragende Leistung. Mit zweimal Start- und Laufbestzeit lenkte sie ihren Schlitten souverän und sensationell zu Gold bei der ersten Junioren-Weltmeisterschaft in dieser Disziplin und raste nach der Junioren-Europameisterschaft zum zweiten Titel innerhalb einer Woche. Angesichts dieser hervorragenden Leistung fehlten nicht nur ihr die Worte zu diesem Erfolg.
Mit deutlichem Rückstand von 43/100 Sekunden wurde die favorisierte Russin Lubov Chernykh Silber-Medaillengewinnerin und Bronze ging an die Slowakin Viktoria Cernanska.

Zwei Medaillen für hessische Sportlerinnen im Zweierbob
Im Zweierbob zauberte Zimmer mit Anschieberin Anabel Galander zweimal Startbestzeiten in die Eisrinne konnte allerdings diesen Vorsprung nicht ins Ziel retten. Nach dem ersten Durchgang lag das Duo mit 3/100 Rückstand noch durchaus in Schlagweite zum Sieg. Im zweiten Lauf allerdings suchte die Wiesbadener Piloten im Labyrinth vergeblich die Ideallinie, eierte nahe an einem Sturz hindurch und fand sich am Ende auf dem Silber-Platz wieder. Ein eigentlicher cooler Abschluss, aber zufrieden waren die zwei trotzdem nicht. Zimmer sieht jetzt vor allem in den Labyrinth-Bahnbereichen Nachholbedarf, den sie im Training aufarbeiten will, um im nächsten Jahr wieder nach dem Titel zu greifen.
Eine weitere große Überraschung war das Ergebnis von Vanessa Mark (Tus Eintracht Wiesbaden), die mit der erst 17-jährigen Pilotin Charlotte Candrix (TuS Hachenburg) ins Rennen gegangen war. Mit zwei souveränen Abfahrten sicherten sich die beiden die Bronze-Medaille mit 55/100 Sekunden Rückstand auf die siegreichen Russinnen Lubov Chernykh/Anastasia Kurysheva, die auch schon am Weltcup teilgenommen haben.
Zum Abschluss der Veranstaltung gab es von allen ein riesiges Lob für die österreichischen Veranstalter, die sich angesichts der Corona-bedingten Einschränkungen mit komfortablen Umkleidemöglichkeiten um das Wohl der Teilnehmer gekümmert hatten. Bei anderen Europacup Rennen war dies keineswegs selbstverständlich gewesen.

Resümee der Verbandsspitze
Bis auf die olympischen Spiele und die deutschen Meisterschaften Mitte Februar
ist die Saison 2021/22 im Bobsport gelaufen. Das Fazit von Landestrainer Tim Restle und HBSV Präsidentin Erica Fischbach sieht im großen Ganzen sehr zufriedenstellend aus, auch wenn nicht alle Wünsche und Träume in Erfüllung gegangen sind. Die hessischen Sportlerinnen und Sportler haben durch die Bank bei ihren Einsätzen keineswegs enttäuscht, in der Regel hervorragende Leistungen geboten und blieben vor allem von schwereren Verletzungen verschont.
Kritisch sehen die beiden die Situation im Frauenbob, da die Anforderungen im neuen Monobob ganz anders sind als im traditionellen Zweier. Weltweit tuen sich viele Spitzenpilotinnen, auch und gerade die mit sehr viel Erfahrung, bei der Umstellung schwer. Unterm Strich bedeutet diese Situation wahrscheinlich, dass allerorten die Trainingskonzepte umgestellt und neue Schwerpunkte gesetzt werden.

Bild: BSD/Jasmin Isken


Mit einem kräftigen Paukenschlag beendeten die deutschen Damen die Weltcup-Saison in St. Moritz, untermauerten ihre Ambitionen für die olympischen Spiele in Peking und setzen die Konkurrenz damit kräftig unter Druck. Alle 3 Teams eroberten einen Platz auf dem Siegerpodest und gewannen damit gleichzeitig bei der „race in race“ Veranstaltung einen kompletten Medaillensatz in der Europa-Meisterschaft.
Bei hervorragenden Wetter- und Eisbedingungen lieferten sich die Weltcup-Spitzenteams einen ungeheuer spannenden Wettbewerb, dessen Ergebnis bis zum letzten Zieleinlauf ungewiss war. Da 19 Schlitten gemeldet waren durften alle zum zweiten Durchgang antreten und wirbelten das Ergebnis der ersten acht Plätze nochmals kräftig durcheinander. Den Auftakt machten Elana Meyer-Taylor/Kaysha Love, die eine perfekte Fahrt in den Eiskanal zauberten und sich von Rang 7 um 2 Plätze nach vorne schoben. Laura Nolte/Deborah Levi setzten noch eins drauf und übernahmen deutlich die Spitze. Übertroffen wurde dieses Dou gleich darauf von Kim Kalicki/Lisa Buchwitz (Foto), die nach mäßigem Auftakt im unteren Bahndrittel eine furiose Aufholjagd starteten und sich mit 7/100 Sekunden an die Spitze setzen. An diese Zeit kam Mariama Jamanka mit Anschieberin Kira Lipperheide als nächste nicht ganz heran und blieb 4/100 knapp dahinter. Nun oblag es den nach dem ersten Durchgang führenden Amerikanerinnen Kaillie Humphries/Sylvia Hoffman die Spannung auf die Spitze zu treiben. Lagen sie bis kurz vor der Zielmessung noch im grünen Bereich ging ihnen hinten raus die Kohle aus und sie wurden auf Platz 4 zurückgeworfen. Ein Ergebnis, mit dem das US-Team im Auslaufbereich sichtlich arg haderte. Nicht nur Buckwitz („Ich bin super happy mit Kim fahren zu können“) sondern natürlich auch Bundestrainer René Spies waren von diesem grandiosen Ergebnis der deutschen Damen begeistert. Obwohl man den Tag nicht vor dem Abend loben soll und man die nordamerikanischen Teams immer auf der Rechnung haben müsse, sei dieser Abschluss die beste Basis für Peking kommentierte er.
Für Breeana Walker reichte es mit Sarah Blizzard in diesem starken Feld noch für Rang 15, wobei ein besseres Abschneiden durch einen schwächeren zweiten Durchgang verhindert wurde. Im Gesamt-Weltcup schnitt sie als beste australische Pilotin auf Rang 20 ab.

Platz 3 im Gesamt-Weltcup für Kalicki
Die große Kristallkugel holte Elana Meyers Taylor (USA) mit 1505 Punkten knapp vor Laura Nolte (1486) und Kim Kalicki (1472). Kalicki war in 8 Rennen 6-mal auf das Podest gefahren und hat durch das Nicht-Antreten in Sigulda möglicherweise den Gesamtsieg verpasst. Allerdings ist sie wohl zurecht der Meinung, dass diese Pause ihren Akku wieder ordentlich aufgeladen hat und ihr richtig gutgetan habe. Daher überwog die Freude über die hervorragende Saison, die mit dem Gewinn der Europa-Meisterschaft ihre Krönung erfahren hat. Nun gehe es mit Vollgas und Zuversicht Richtung Peking. Die dritte deutsche Pilotin Mariama Jamanka (1310) wurde Sechste.

Kalicki nicht im Monobob dabei
Im Monobob gingen Mariama Jamanka und Laura Nolte für Deutschland an den Start und belegten die Plätze 4 und 5. Für Jamanka bedeutete dies gleichzeitig den Gewinn der Europa-Meisterschaft. Beim Doppelsieg der Amerikanerinnen Kaillie Humphries und Elana Meyers-Taylor schlug sich Breeana Walker aus Australien recht gut und konnte sich durch einen starken zweiten Lauf auf Rang 7 verbessern. Dies bedeutet in der Endabrechnung des Weltcups in dieser Disziplin immerhin Platz 5.

Foto: Viesturs Lacis

 

 

 


Spektakulärer Höhepunkt einer kurzen aber ausgesprochen erfolgreichen Teilnahme an den Europacup-Wettwerben
war der Gewinn der Junioren-Europameisterschaft, den Zimmer (Foto rechts) mit ihrer Anschieberin Anabel Galander
(Mitteldeutscher SC Magdeburg) auf der Veltins Eisarena in Winterberg eintütete.
Unter den Augen von HBSV Präsidentin Erica Fischbach, die der internationalen Jury angehörte, und Landestrainer
Tim Restle bestätigte die Wiesbadenerin ihre hervorragende Form und glänzte in beiden Durchgängen mit
Start Bestzeiten. Mithalten konnte da nur das deutsche Team Stephanie Schneider/ Tamara Seer
(Tus Eintracht Wiesbaden) und durch die fahrerische Reife von Schneider hatten diese Zwei am
Ende auch ganz knapp die Nase vorn. Für die Oberwiesenthalerin bedeutet dieser Erfolg ein schönes Ende ihrer
langen Karriere, da sie im Sauerland ihr letztes Rennen bestritt. Für Zimmer/Galander war der
zweite Platz aber gleichbedeutend mit dem Gewinn der Meisterschaft im Damenzweier. Natürlich wurde dieser
stolze Erfolg von den Mitgliedern des hessischen Verbandes gebührend gefeiert, hat sich mit Zimmer doch
ein zweites Talent im Frauenbob an der europäischen Spitze etabliert und die Trainingsarbeit von Restle
trägt weitere Früchte.

Jannusch Team übersteht schweren Sturz glimpflich
Glück im Unglück hatte hingegen Joshua Tasche im Team von Pilot Jonas Jannusch mit dem er sowie
Max Neumann und Christopher Koch einen katastrophalen Sturz überstand, bei dem alle
Beobachter den Atem anhielten. Beim Sturz im Zielbereich wurde ihr Sportgerät ziemlich
ramponiert, so dass für die Vier das Rennen beendet war. Zum Glück blieben
alle vor schwereren Verletzungen verschont und kamen mit Prellungen und Abschürfungen davon.
Gewinner des Europacup-Rennes und damit gleichzeitig Junioren-Europameister wurden die deutschen
Nachwuchsathleten Nico Semmler, Oliver Peschk, Rupert Schenk und Marvin Paul.


Foto: Dietmar Reker

 


Ebenfalls In Igls am Start war Costa Laurenz (Tus Eintracht Wiesbaden). Er saß mit Henrik Bosse und Georg Fleischhauer im Schlitten von Richard Oelsner. Der zeigte in beiden Durchgängen zwei solide Abfahrten, vermochte jedoch in der Bahn nicht die Zehntelsekunden gut zu machen, die durch schwächere Startzeiten verloren gegangen waren. Dennoch reichte es am Ende unter 24 Schlitten zum 4. Rang, wobei der 3. Podestplatz des italienischen Teams um Patrick Baumgartner um 21/100 Sekunden verfehlt wurde. Gewonnen wurde das Rennen vom deutschen Vierer mit Pilot Jonas Jannusch.

 


Einen ersten ganz großen Erfolg in ihrer noch jungen Pilotinnenkarriere feierte Maureen Zimmer (TuS Eintracht Wiesbaden) beim Europacup in Innsbruck. Mit einer fast perfekten Vorstellung begeisterte sie das deutsche Betreuerteam und rechtfertigte ihren frühen Einsatz in den Europacup-Rennen. Erstmals ging sie mit Neele Schuten (TV Gladbeck) auf der Bremse in einen Wettbewerb und die beiden harmonisierten sehr gut. Besonders überraschend war, dass das Dou bereits durch Startbestzeiten in beiden Durchgängen einen ordentlichen Vorsprung herausschob und damit die Voraussetzungen für den deutlichen Sieg mit der jeweils schnellsten Laufzeit in beiden Abfahrten schufen. Am Ende lagen sie 43/100 Sekunden vor den erfahrenen Französinnen Margot Boch/Sandie Clair und auch Stephanie Schneider musste sich mit Claudia Schüssler (Mitteldeutscher SC Magdeburg) auf Platz 3 geschlagen geben. HBSV Präsidentin Erica Fischbach freute sich sehr über diesen unverhofften Erfolg von Zimmer im erst zweiten Europacup Start, der sie allerdings schon länger einiges zugetraut habe. Auch Landestrainer Tim Restle war sichtlich zufrieden und zeigt sich zuversichtlich, von seinem Schützling noch weitere gute Ergebnisse geliefert zu bekommen. Bei gleich hohem Engagement der Sportlerin glaubt er, dass Zimmer (auf dem Foto links) in der nächsten Saison konstant vorne mitmischen kann.

Foto: Erica Fischbach